Was ist Voltigieren?

 

 

Am Anfang sah man das Pferd einzig und allein als Nahrungslieferant an. Als die ersten Stämme anfingen Pferde zu domestizieren, wurden diese als Lasttier eingesetzt, um schwere Gegenstände über weite Strecken zu transportieren. Erst später, als die Menschen „mutig“ genug waren, sich auf das Pferd zu setzen und sich selber transportieren zu lassen, begannen sie auch, Übungen auf deren Rücken zu vollführen, um ihre reiterlichen Fähigkeiten noch zu verbessern.

Noch vor Christi Geburt gab es erste Ansätze des Voltigierens. Es wurden Felszeichnungen nordgermanischer Stämme in Südskandinavien gefunden, die einen stehenden Menschen auf einem „pferdeähnlichen Tier“ zeigen.

Auch aus Grabgemälden der Etrusker konnte man erkennen, wie zwei Männer auf galoppierenden Pferden versuchten, von einem Pferd auf das andere zu wechseln.

 

Voltigieren von der Antike bis zum

 

Mittelalter:

 

In der Antike und im Mittelalter gehörte das Voltigieren hauptsächlich zur militärischen Ausbildung der Soldaten, denn diese mussten im antiken Rom neben Wagenrennen, Reiten, Fechten, Bogenschießen, Speerwurf, Ringen und Boxen auch das Voltigieren erlernen. Dies war jedoch noch stark vereinfacht und umfasste lediglich das Auf- und Abspringen an einem Holzpferd, damit es auf echte Pferde umgesetzt werden konnte. Vor allem war dies zum Schutz des eigenen Lebens erforderlich, da durch diese Gewandtheitsübungen der Reiter entweder dazu befähigt war, schnell und behände jeglichen Gefahren auszuweichen, oder dadurch anderen erheblichen Schaden zufügen konnte.

Dennoch wird es als die ersten Wurzeln des Voltigierens angesehen. Denn obwohl die Ausbildung der Soldaten nur das Auf- und Abspringen umfasste, wurden bei den alljährlichen altrömischen Spielen nicht nur Wagen- und Pferderennen ausgeführt, sondern auch akrobatische Übungen auf dem galoppierenden Pferd gezeigt.

 

Voltigieren in der Renaissance (1420-

 

1600):

 

Die Renaissance war nicht nur die „Wiedergeburt“ im kulturellen, sondern auch im sportlichen Sinne der Antike. Die „Brutalität“ des Mittelalters wurde zurückgelassen und es kamen wieder „feinere“ Sportarten wie Fechten, Reiten und Ringen auf. Nun war es nicht mehr ausreichend, wie im Mittelalter nur reiten und kämpfen zu können. Die Höflinge mussten gebildet sein und gute Manieren besitzen, dabei galt es auch, sich vornehm und grazil bewegen zu können. Hier waren die mittelalterlichen Kampfspiele eine gute Grundlage, denn nun entwickelte sich aus dem Auf- und Abspringen das eigentliche Voltigieren, welches mit dem lateinischen Begriff „volte sive giri“ bezeichnet wurde.

 

Voltigieren in der Kavallerieausbildung

 

vom 17. bis zum 20. Jahrhundert:

 

Auch in der Ausbildung der Soldaten im 17. und 18. Jahrhundert spielte das Voltigieren eine große Rolle und gewann immer mehr an Bedeutung. Die jungen Adeligen mussten sich nicht nur Wissen und gutes Benehmen aneignen, sondern auch das Können im Fechten, Tanzen, Reiten und Voltigieren.
Der Begriff „Voltigieren“ wurde zu dieser Zeit als Oberbegriff für gymnastisch-turnerische Übungen am sich bewegenden Pferd geprägt.

Zwar wurde das Voltigieren vorerst als Vorübung und Ergänzung des Reitens gedacht, dennoch entwickelte es sich mit der Zeit zu einer selbstständigen Sportart, die man auf ein hölzernes Pferd übertrug. Trotzdem wurden Übungen immer noch auf dem sich bewegenden Pferd ausgeführt.

 

Voltigieren zwischen den Weltkriegen:

 

Nach den Olympischen Spielen entwickelte sich das Voltigieren zum Kindersport weiter. Der Sport wurde als Reitvorbereitung genutzt und auf verschiedenen Reitturnieren durften die Voltigierer ihr Können zeigen.

 

Was ist nun Voltigieren heute?

 

Voltigieren heißt, turnerisch-gymnastische Übungen auf dem Pferd auszuführen. Das abgestimmte Zusammenwirken von Pferd, Longenführer und Voltigierer ist Grundvoraussetzung zur Ausübung dieses Sports, denn alle drei beeinflussen sich gegenseitig und bilden im Voltigieren eine Einheit. Diese Sportart umfasst Bewegungen und Übungselemente aus dem Turnen, der Gymnastik und der Sportakrobatik. Diese werden als Einzel- und Partnerübungen gezeigt und können zu fließenden Bewegungsfolgen kombiniert werden. Entsprechend dem Können und Ausbildungsstand der Voltigierer wird im Unterricht im Schritt, Trab und Galopp voltigiert.

Im Turniersport müssen entsprechend den Wettkampfregeln alle Übungen auf dem galoppierenden Pferd in Pflicht und Kür gezeigt werden. Es gibt drei Disziplinen: Einzel-, Doppel- und Gruppenvoltigieren. Für Einsteiger- und Anfängergruppen, auch Nachwuchsgruppen genannt, gibt es auf Landesebene auch Wettbewerbe im Schritt und Trab. Auch Einzel- und Partnerküren mit verschiedenen Übungen auf dem Tonnenpferd (Bock) werden gezeigt.

In manchen Reitvereinen sind Voltigiergruppen nur für die Vorbereitung zum Reiten und die spielerische Annäherung an das Pferd gedacht. Doch turniermäßig betrieben, ist Voltigieren ein anspruchsvoller Leistungssport, der wie wenig andere Sportarten den Sportler in vielerlei Hinsicht fordert. Es geht um Gleichgewicht, Kraft, Spannung, Beweglichkeit, Ausdauer, Rhythmusgefühl, Vertrauen, Mut und Kreativität und nicht zuletzt um das gemeinsame Turnen in der Gruppe und das gemeinsame Versorgen des Pferdes.

Voltigieren ist eine hervorragende Bewegungsschulung mit hohem Erlebniswert und erfüllt für Kinder und Jugendliche eine wichtige hinführende Funktion zum Pferdesport.